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07.05.06 08:31 Alter: 12 yrs
Von: Rolf Willmanns

Von Kriegern und Kämpfern

Läufer des TV Seulberg auch dieses Jahr wieder beim Hermannslauf


Bei Hermann und Teutoburger Wald denkt jeder gute Germane an die Varusschlacht im Jahre 9 n. Chr., als Arminius, ein Fürst der Cherusker, den Römern eine der verheerendsten Niederlagen beigebracht hatte. In einer 3-tägigen Schlacht im Teutoburger Wald kam es zur gesamten Vernichtung des römischen Besatzungsheeres von 3 Legionen und 6 Hilfskontingenten durch die vereinten germanischen Stämme. Im 19. Jahrhundert, als in allen europäischen Staaten das Nationalbewusstsein aufblühte, wurde die an Armin als historische Person angelehnte Gestalt ?Hermann der Cherusker? zu einer gewissen Mythen- und Symbolfigur in Deutschland. Zahlreiche Denkmäler künden aus dieser Zeit, so auch das Hermannsdenkmal im Teutoburger Wald bei Detmold.

Soweit zu den Kriegern und der historischen Vorgeschichte. Jetzt zu den Kämpfern.

 

Als es am Morgen des 30. Aprils 2006  laut wurde im Teutoburger Wald, da schien es, als würden über 7.000 Mann im Schatten des Hermanns wieder in die Schlacht ziehen. Doch die Schlacht sollte nicht gegen einen unbekannten Feind gekämpft werden. Es war die Schlacht mit sich selbst und den 31,1 Kilometern, die es bis zur Sparrenburg in Bielefeld zu bewältigen galt.
Mit dabei waren auch, wie schon in den letzten 10 Jahren, Läufer des TV Seulberg. Leider waren die geplanten 6 Teilnehmerinnen und Teilnehmer verletzungsbedingt auf drei zusammengeschrumpft, wobei wir noch einen Gastläufer aus Belgien eingeflogen hatten. Dies tat aber der Stimmung keinen Abbruch. Wir hatten so die Truppe gerecht geteilt in Aktive und Fans, die uns auf den letzten Metern kräftig anfeuerten.
Der Hermannslauf unterscheidet sich von den meisten Laufveranstaltungen. Er ist keine Rund- oder Wendepunktstrecke, sondern führt vom Hermannsdenkmal bei Detmold zur Sparrenburg in Bielefeld, immer nur in eine Richtung. Der Start ist zu Füßen von Hermann, dem Cherusker. Der Hermannslauf führt auf dem Hermannsweg über die Höhen des Teutoburger Waldes. Bergauf und bergab, da wird die Strecke nie langweilig. Der Untergrund ist ebenfalls sehr abwechselungsreich. Er besteht aus Wald- und Sandboden, Asphalt, Beton, Pflastersteine und Kopfsteinpflaster. Das Ziel ist auf der Promenade direkt vor der Burg auf dem Sparrenberg, mitten in Bielefeld, oberhalb der Altstadt. Höhepunkt der Strecke sind nach 23 Kilometern die Treppen von Lämmershagen. Hier fängt der eigentliche Kampf erst an. Es sind 124 breite Waldstufen, die steil nach oben führen, zu überwinden.
Hermannslauf ist auch Kult. Neben den vielen Wiederholungstätern waren auch bunt bemalte oder verkleidete Läufer, wie sonst nur bei den Marathon-Frühstücksläufen, am Start. Eine achtköpfige Gruppe aus Georgsmarienhütte hatte eine schwarz-rot-goldene ?Kriegsbemalung? auf den nackten Körper angebracht. Vor dem Start hatten die natürlich ordentlich gezittert. Wärmer war da schon ein Läufer angezogen, der den ?Schlachtcharakter? des Hermanns sehr wörtlich genommen hatte. Kettenhemd, derbe Stiefel und ein goldener Helm ? seine römische Rüstung war sehr authentisch, leider auch, was das Gewicht betraf. Zwölf Kilo zusätzlich waren das schon, sodass er sich als Wanderer sehr früh auf den Weg gemacht hatte, um kurz hinter den Spitzenläufern ist Ziel zu kommen.

Das Wetter war dieses Jahr die große Unbekannte. Am Vortag hatte es Sonne, Regen und auch Hagelschauer gegeben. Die Temperaturen waren ziemlich kühl. Wie sollte man sich anziehen?  Am Morgen schien dann doch die Sonne. Lediglich in Oerlinghausen erwischte uns ein Hagelschauer. Hier kam jedoch durch die Anfeuerung der 35 Mädchen von der Jazztanz-Abteilung des örtlichen Turnvereins, die mit Pompons bewaffnet waren, eine richtige Gänsehautstimmung auf.

Unsere Läufer kamen alle ins Ziel. Friedhelm Meinders lief mit 3:03:27 Std. nahezu seine Zeit aus dem letzten Jahr. Rolf Willmanns kämpfte sich nach einer verletzungsbedingten Trainingspause von 4 Wochen in guten 3:55:28 Std. über die Strecke. Beachten sollte man dabei, dass beide schon der Altersklasse 60 angehören, also eigentlich einer Lehnstuhlklasse. Lediglich unser Gastläufer Simon, der Jüngste der Truppe, hatte etwas Probleme. Nach 14 Kilometern musste er, bedingt durch Knieschmerzen, zur Wandergruppe wechseln. Er kam aber noch vor den letzten Läufern ins Ziel, um seine wohlverdiente Medaille in Empfang zu nehmen.


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